Unsere Praktikantin Merle Koller vor dem Landtag in Stuttgart

Ein Blick hinter und auf die landesparlamentarischen Kulissen

Unsere Praktikantin Merle Koller studiert Politikwissenschaften an der Uni Leipzig. Während ihres dreiwöchigen Praktikums bei Susanne hat sie ein „echtes Interesse“ an Politik entdeckt. Wie es dazu kam und welche Eindrücke Merle aus ihrer Praktikumszeit noch mitgenommen hat, können Sie in ihrem Praktikumsbericht nachlesen:

Dem Interesse für Landespolitik bin ich quasi durch mein Studium der Politikwissenschaft verpflichtet. Um mit dem Umschauen im politischen Geschehen zu beginnen und um das Theoretische der Uni mit Praktischem anzureichern bewarb ich mich für ein dreiwöchiges Praktikum bei der Landtagsabgeordneten Susanne Bay. Drei Tage pro Woche durfte ich am Arbeitsleben im Wahlkreisbüro in Heilbronn und jeweils zwei Tage am Landtagstreiben in Stuttgart teilnehmen. An meinem ersten Praktikumstag fuhr ich mit Susanne Bay nach Stuttgart und konnte außer auf Regierungsprominenz (durch eine thematisch recht unspektakuläre Fraktionssitzungshälfte – das nächste Mal unbedingt Teppichboden bei der Klausurtagung!) einen Blick auf allwöchentliche Fraktionsgespräche werfen. Diese gewannen allerdings in Woche zwei vor allem im Hinblick auf fraktionsinterne (politische) Diskussionen an Spannung. Gleich am zweiten Tag erlebte ich fachliche Brisanz im Bereich Wirtschaft, Wohnungsbau und Arbeit und erhaschte einen Eindruck von Arbeitskreis- und Ausschussarbeit, vom anspruchsvollen parlamentarischen Wochengeschäft. Als mich Arbeitsmarktintegrationsprojekte, Landeshaushalt und Wohnbauförderung längst abgehängt hatten, hielt mich schließlich die Inspektion zwischenmenschlichen Taktierens, Verhandelns und Kompromissfindens aufmerksam.

Die Arbeit in Heilbronn war etwas praktischer und ich konnte mithelfen Termine, Anfragen, Adressen, Infos, Dokumente und Homepagebeiträge zu verwalten und in Schach zu halten. Nebenbei bekam ich einen Eindruck von anfallenden Besuchen wie zum Beispiel dem des Fraktionsvorsitzenden Andreas Schwarz, von Gesprächsterminen, Podiumsdiskussionen, von Bürgeranliegen und lokalpolitischen Verpflichtungen. Die Kombination aus Landtag und Wahlkreisbüro hat mir dabei einen guten Einblick gewährt in die Zweischneidigkeit der Arbeit einer Abgeordneten – als für die Wähler unmittelbar zugängliche Präsenz im Wahlkreis und im eher hermetischen Landtag. Und last but not least als gerade dazwischen Vermittelnde. So konnte ich beispielsweise die Wege nachvollziehen und miterleben, wie Bürgeranfragen von den Abgeordneten in die Diskussion auf Landesebene transportiert werden.

Bei der Plenarsitzung am 28. September entdeckte ich von der Besuchertribüne aus, wie spannend und mitnehmend es auf der landesparlamentarischen Hauptbühne, in der Plenarsitzung, zugeht. Gleich zum Einstieg – die aktuelle Debatte „Defizite der Wohnungsbaupolitik und politisches Handeln in Zeiten der Masseneinwanderung“ – und im Anschluss, beim Zwei-Fraktionen Antrag zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zu Linksextremismus, wurde die Bedeutung der AfD (und dato ABW) im Landtag und ihre Auswirkung auf die Arbeit im Plenum offenbar: Die anderen Fraktionen in grundsätzlichen Positionen vereinend aber ein immenser Verbrauch an parlamentarischer Kapazität auf Kosten der fachlichen Arbeit.

Ein inhaltlicher Höhepunkt des Praktikums war für mich das Treffen mit dem parlamentarischen Berater für Verkehr, Werner Korn, der mir viel zu zukunftstragenden, klimafreundlichen Konzepten und Überlegungen aber auch über Hürden berichten konnte.

Bei der Landespressekonferenz mit Winfried Kretschmann und Thomas Strobl wurden mir koalitionäre Herausforderungen und Verpflichtungen illustriert: Da gilt es, auf den Koalitionspartner Rücksicht zu nehmen, aber gleichzeitig die eigene Linie zu repräsentieren Ständig präsent ist die Schwierigkeit sich Woche für Woche stichelnden Fragen zu eben erst bearbeiteten Themen zu stellen. Die Grünen in der Regierung mit der CDU eben, zwischen Kompromiss und Konsequenz.

Mein Praktikum endete mit dem Gefühl, einen echten und breitgefächerten Eindruck vom Parlamentstreiben, dem Alltag einer Abgeordneten und des Wahlkreises bekommen zu haben. Es bleibt die Lust die Mediathek des Landtages (oder auch des Bundestages) zu nutzen und mir Plenarsitzungen reinzuziehen. Echtes Interesse also!

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